WIR.HELFEN.GEORGIEN.

Rechenschaftsbericht
April – Oktober 2020
von Rainer Kaufmann

Nach sieben Monaten unserer Aktion WIR.HELFEN.GEORGIEN. gebe ich jetzt erst einen detaillierten Rechenschaftsbericht ab, weil wir immer darauf gesetzt hatten, dass wir um diese Jahreszeit schon so etwas wie das erfolgreiche Ende unseres aktuellen Hilfsprojektes verkünden können. Nun ist es aber ganz anders gekommen. Statt einer schrittweisen Verbesserung der Situation hat die georgische Regierung am 26.11. einen nahezu völligen Stillstand des Wirtschaftslebens bis einschließlich 31. Januar 2021 verkündet. Restaurants dürfen nur noch außer Haus liefern ebenso nahezu der gesamte Handel. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr ist fast komplett eingestellt, ab 21:00 Uhr gilt ein totales Ausgangsverbot. Für viele Menschen in Georgien bedeutet das den Verlust ihres Einkommens und damit auch eine weitere Verschärfung der ohnehin weit verbreiteten Armut.

Bevor ich zu Fakten und Zahlen komme, möchte ich mir vorab einige persönliche Bemerkungen erlauben. Das Jahr 2020 war für mich ein ganz besonderes Jahr in Georgien, denn zum Jahreswechsel 1989/90 kam ich das erste Mal in das Land, das seither zu meiner zweiten Heimat wurde und zum beruflichen und geschäftlichen Mittelpunkt auch meiner Familie, die viel in Georgien investierte. Es hätte ein tolles Jubiläumsjahr werden können, denn wir waren von April bis Ende September mit Reisegruppen nahezu vollständig ausgebucht. Es war auch die eine oder andere Veranstaltung angedacht, mit der wir – meine Frau, unsere Belegschaft und ich – diese 30 Jahre gemeinsam mit unseren Gästen und Freunden gebührend feiern wollten. Aus alledem wurde nichts, im Gegenteil, die Existenz unserer Unternehmen in Georgien stand urplötzlich auf dem Spiel. Im Frühjahr standen wir vor der Entscheidung, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die teilweise mehr als zwei Jahrzehnte für uns und mit uns gearbeitet haben, entlassen zu müssen und sie und ihre Familien damit der Armut in Georgien zu auszusetzen. Denn die Sozialsysteme sind kaum ausgeprägt und jedes noch so bescheidene Gehalt hilft dem jeweiligen Familienverbund, zu überleben. Dies umso mehr, als die Pandemie einen gesamtwirtschaftlichen Schaden verursacht hat, der vor allem die Mittel- und Unterschicht des Landes überaus hart trifft. Allein in unseren Unternehmen sind der Volkswirtschaft des Landes in diesem Jahr nahezu eine Million Lari an Umsatz entgangen.

„Not macht erfinderisch“ haben wir im Frühjahr geschrieben und einen Spendenaufruf für ein eigenes Sozialprojekt unseres Restaurants gewagt. Wir sind glücklich und wir sind vor allem dankbar, dass es uns durch die großzügige Unterstützung unserer Freunde und Stammgäste vor allem in Deutschland gelungen ist, fürs erste das größte Unheil vor allem für unsere Belegschaften abzuwenden. Denn:

In den Monaten April bis Oktober haben wir insgesamt knapp 35.000 Euro an unsere Stiftung nach Georgien überweisen können, eine wirklich stolze Summe.

Damit haben wir insgesamt 9.800 warme Tagesessen an Bedürftige ausgeliefert, das sind im Schnitt 46 am Tag. Die Adressen erhielten wir von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Georgien und von der Behindertenschule St. Martin. Damit haben wir, das wollen wir natürlich nicht vergessen, in dieser Zeit in unseren Unternehmen mehr als 15 Arbeitsplätze sichern können. Vielleicht noch ein Aspekt, der mir wichtig ist: Die gesamte Summe ging ohne weitere Verwaltungskosten in Form von Gehältern und Wareneinsatz direkt in den Kreislauf der georgischen Volkswirtschaft.

Der Rest des Jahres ist mit einer weiteren Summe von 7.000 Euro, die in diesen Tagen überwiesen wurden, gesichert, viel mehr allerdings nicht. Nach den jüngsten Entwicklungen sowohl in Deutschland als auch in Georgien, das im Sommer erstaunlich gut durch die Pandemie gekommen war, können wir jetzt nur noch hoffen, dass es etwa ab Ostern 2021 wieder bergauf geht. Aber: Das sind noch einmal vier Monate der völligen Ungewissheit, wie und ob es überhaupt weiter geht.

Und damit wäre ich bei einer weiteren persönlichen Bemerkung. In diesen Tagen darf  – und vor allem kann ich auch bei bester Gesundheit – einen weiteren runden Geburtstag begehen, von feiern kann ja unter den derzeitigen Umständen kaum die Rede sein. Mein einziger Wunsch aus diesem Anlass ist es, mit einem erneuten Spendenaufruf für unsere Stiftung WIR.HELFEN.GEORGIEN. diese vier bis fünf Wintermonate mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die für uns wirklich so etwas wie unsere Familie in Georgien sind, überbrücken zu können, bis uns dann hoffentlich die ersten positiven Folgen der jetzt gefundenen Impfstoffe aufatmen lassen. Bis dahin wollen wir auf keinen Fall aufgeben, brauchen dazu aber noch einmal Eure und Ihre Mithilfe.

Wenn meine Frau und ich unserer georgischen Belegschaft zu Weihnachten diese frohe Botschaft übermitteln dürften, das wir den ganzen Winter weiter machen können, würde das in einigen Familien Georgiens und natürlich auch bei rund 50 bedürftigen Menschen mehr als nur etwas Glanz in den ansonsten eher trostlosen, weil nahezu hoffnungslosen Alltag bringen. Und – diese emotionale Bemerkung sei mir auch gestattet – es würde uns helfen, unser jetzt 30-jähriges Engagement im Tourismus des Landes nicht abrupt beenden zu müssen, sondern fortsetzen zu können mit dem einzigen Ziel, es in wenigen Jahren unseren jungen und engagierten Managerinnen Natia und Salome als deren Lebensaufgabe und -chance übertragen zu können. Dann erst hätten sich die letzten 30 Jahre unseres Engagements in Georgien wirklich gelohnt.

Ihre Spenden – auch monatlich – können Sie auf das Konto der Evangelischen Kirchengemeinde Eppelheim überweisen, die dankenswerterweise die Verwaltung der Spenden übernommen hat. Von da erhalten Sie auch eine entsprechende Spendenbescheinigung. Bitte gegen Sie auf dem Überweisungsbeleg Ihre vollständige Postadresse an.

Noch ein Nachtrag: Wir haben in der Zwischenzeit in Deutschland einen Verein unter dem Namen dieser Aktion gegründet. Sobald wir vom Finanzamt die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erhalten haben, werden wir diesen Verein und seine Ziele vorstellen. Es geht uns dabei nicht nur um die Überbrückung der aktuellen Notlage. Wir wollen auf alle Fälle auch nach der Pandemie mit einem nachhaltigen Sozialprojekt einiges auf die Wege bringen, um mit unseren Ideen unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ vor allem Familien, die am Rande der Armut leben müssen, zu unterstützen. Und davon gibt es in Georgien ganz unabhängig von den Folgen der Pandemie ohnehin viel zu viele.

Vielen Dank auch im Namen meiner Frau und vor allem im Namen derer, denen diese Hilfe in den nächsten, harten Winterwochen ganz direkt zugute kommt

Rainer Kaufmann
26. November 2020

Spenden-Konto Deutschland
Evangelische Kirchengemeinde Eppelheim
IBAN: DE17 6725 0020 0001 5113 51, BIC: SOLADES1HDB (Sparkasse Heidelberg),
Stichwort: Hilfe für Georgien.

Spenden-Konto Georgien
Empfänger: Vekhmarebit sakartvelos  (Hilfe für Georgien)
JSC TBC Bank, Tbilissi/Georgien, IBAN: GE75TB7454336180100004

info@georgian-aid.com

Die regelmäßige Berichterstattung über das Projekt, die bislang über unsere Webseite veröffentlicht wurde, haben ab November unsere georgischen Mitarbeiterinnen auf ihrer Facebook-Seite „Wir helfen Georgien“ übernommen.

Not macht erfinderisch

Spendenaufruf vom Frühjahr 2020

mit dieser Erkenntnis hat alles angefangen. Und mit einer nahezu hoffnungslosen Situation für die Belegschaft von Rainers European Restaurant in Tbilissi samt Hotel Kartli. Durch die Corona-Krise und die damit verbundene Schließung von Hotel und Restaurant drohte knapp zwei Dutzend Menschen, die teilweise seit zehn oder gar 20 Jahren hier Arbeit und Brot fanden, die Entlassung. Und was das in Georgien bedeutet, muss wohl kaum erklärt werden, Arbeitslosigkeit ist meist gleichbedeutend mit dem Absturz in die Armut. Denn Georgien kennt kaum ein System sozialer Absicherung. Wem die Familie dann nicht helfen kann, dem droht der Hunger.

Auf der anderen Seite gibt es viele bedürftige Menschen, teilweise in bitterer Armut lebend, die jetzt nicht einmal mehr zu den täglichen Suppenküchen gefahren werden können. Oder behinderte Kinder und Jugendliche, viele von ihnen aus ärmlichen Verhältnissen kommend, deren Spezial-Schule jetzt erst einmal schließen musste. Auch sie bekommen jetzt keine tägliche Mahlzeit mehr.

Was lag also näher, als beide Probleme zu einer gemeinsamen Lösung zu führen? Und dies mit einer eigentlich recht einfachen Idee: Die Belegschaft von Rainers European Restaurant garantiert während der Corona-Krise jeweils  die tägliche Lieferung eines warmen Essens an Bedürftige und Arme. Wir haben eigens hierfür eine gemeinnützige Stiftung gegründet:

Wir.
Helfen.
Georgien.

Die Adressen der Bedürftigen stellen uns zwei Partner-Organisationen zusammen:

  • die Evangelisch-Lutherische Kirche in Georgien (ELKG)
  • die Heil-Pädagogische Michaelschule in Tbilissi und deren deutsche Partner-Organisation, der Solinger „Verein zur Förderung der Behindertenhilfe in Georgien“

In Deutschland hat sich die Evangelische Kirchengemeinde Eppelheim dankenswerterweise bereit erklärt, die Spenden einzusammeln und nach Georgien zu überweisen. Damit können wir allen Spendern auch eine Spendenquittung ausstellen. Die Evangelische Kirchengemeinde Eppelheim unterstützt seit einigen Jahren die ELKG in ihrer Sozialarbeit und hat bereits mehrere Gemeinde-Reisen nach Georgien organisiert. Verantwortlich für diese deutsch-georgische Kooperation ist Kirchengemeinderat Martin Gramm, der auch im Gemeinderat der Stadt Eppelheim sitzt.

Die Stiftung wird derzeit von den beiden georgischen Managerinnen unserer Firmengruppe, Natia Kodiashvili und Salome Gugunishvili, geführt, und zwar treuhänderisch. Sobald es wieder möglich ist, nach Georgien zu reisen, werden wir die Stiftung auch mit deutschen Mitgliedern besetzen, mit Martin Gramm und Rainer Kaufmann.

Für die Finanzierung konnten wir in relativ kurzer Zeit eine beachtliche Zahl von Freunden Georgiens vor allem in Deutschland finden, die bereit sind, für drei Monate jeweils die Patenschaft für ein tägliches Mittagessen zu übernehmen. Die Kosten für ein Essen inklusive Auslieferung pro Tag: € 2,50. Das sind – je nach Wechselkurs, der derzeit recht labil ist – rund acht Lari. Pro Monat sind das € 75,–.

Zusammen mit drei Großspenden, die wir zusätzlich erhielten, können wir jetzt ab April täglich zwischen 50 und 60 Essen zubereiten und ausliefern. Sollten sich weitere Sponsoren anschließen, können wir diese Zahl jederzeit erhöhen. Bedürftige gibt es genug.

Auf dieser Webseite finden Sie alle wichtigen Informationen zu unserem aktuellen Projekt, mit dem wir versuchen, denen, die es am nötigsten haben in diesen Tagen, wenigstens ein klein wenig zu helfen. Wir haben in den ersten Tagen im April schon überwältigende Beweise der Dankbarkeit erhalten, die wir hiermit gerne an unsere Sponsoren weitergeben.

Zurück zum Ausgangspunkt, dem Erhalt der Arbeitsplätze in unserem Restaurant. Wir können unseren Unterstützern jetzt schon versichern, dass auch unsere Belegschaft nicht vergessen wird, wem sie die Sicherung ihrer Arbeitsplätze verdankt.

Wir werden deshalb diese Stiftung auch nach Beendigung der Corona-Restriktionen weiter führen und arbeiten jetzt schon an entsprechenden langfristigen Konzeptionen. So werden wir spätestens ab dem Jahr 2021 für jeden über uns gebuchten Touristentag in Georgien den Betrag von € 2,50 an die Stiftung überweisen, also den Gegenwert für ein Tagesessen.

Wir freuen uns, dass wir jetzt, da die Existenz unserer Betriebe in Georgien mehr als nur gefährdet war, auf diesem Wege weiter arbeiten und uns mit unserer Belegschaft auf die Zeit vorbereiten können, wenn sich Tourismus, Hotellerie und Gastronomie wieder normal entwickeln werden. Damit wir auch dann wieder für unsere vielen Gäste und Freunde aus Deutschland und vielen Ländern der Welt da sind.

Nebenbei: In diesem Jahr ist es genau 30 Jahre her, dass wir zum ersten Mal Georgien besucht haben. Seither ist uns das Land mehr als nur ans Herz gewachsen. Und seither haben wir in dieses Land und seine Menschen, die mit uns arbeiten, einiges an Geld und noch viel mehr an Zeit und Engagement investiert. Dass dies jetzt nicht jäh abgebrochen werden muss, dafür bedanken wir uns persönlich bei allen, die es ermöglicht haben, dass unsere Stiftung jetzt so schnell mit ihrer Arbeit beginnen konnte.

Gabi Kaufmann       Rainer Kaufmann

ERKA-Reisen GmbH       Hotel Kartli      Rainers European Restaurant